Das im 9. Jahrhundert im oberen Erfttal gegründete Tochterkloster der Abtei Prüm war sowohl ein geistliches als auch ein administratives Zentrum. Durch die Übertragung der Reliquien von St. Chrysanthus und Daria 844 wurde es zusätzlich zum Wallfahrtsort. Die dem Kloster hörigen Grundholden bewirtschafteten die Höfe des Klosters, wofür sie Dienstleistungen, Natural- und Geldabgaben leisten mussten. Dies förderte die Entstehung eines Naturalsammelmarktes unmittelbar vor den Toren des Klosters. 898 verlieh der Karolingerkönig Zwentibold dem Kloster St. Chrysanthus und Daria das Markt-, Münz- und Zollrecht.

Klostergründung, Reliquienübertragung und Marktentstehung waren wesentliche Bausteine für das Werden der Stadt, die man heute als Bad Münstereifel kennt.
Der Münstereifeler Markt besaß eine Gerichtsbarkeit, die 1197 an die Kaufleute übertragen wurde. Nunmehr wurde der Markt ein städtischer Markt und er fand Anschluss an den Fernhandel. Von ca. 1300 bis 1600 blühte dieser Markt, auf dem Wein, Bier, Getreide, Rheinfisch, Seefisch, Tuche und Kleidung, Leder und Schuhe, Erze und vieles mehr gehandelt wurde. Über das Jahr verteilt gab es vier Messen genannte Jahrmärkte, die jeweils vier Tage währten und die am 2. Wochenende in der Fastenzeit, zu Pfingsten, um Johannis Geburt (24. Juni), sowie um St. Martin (11. November) stattfanden. Für 1473 ist auch eine Messe zu St. Michael urkundlich bezeugt. An diese knüpft der 2004 vom Aktivkreis Handel, Handwerk und Gewerbe wieder begründete Michaels-Markt an. 1469 wurde noch ein Wochenmarkt privilegiert, der samstags begann und bis Sonntag-Mittag dauerte. Wichtigste Handelspartner Münstereifels waren Aachen, Antwerpen und vor allem Köln.

Noch 1562 waren die Messen so stark besucht, dass nicht alle Kaufleute einen Standplatz in der Marktstraße fanden und manche ihre Stände widerrechtlich auf dem Friedhof östlich der Stiftskirche aufbauten. Hier schuf der Rat der Stadt Abhilfe, indem er einen Vertrag mit der Kirche St. Chrysanthus und Daria schloss, der die Nutzung kirchlichen Areals während der Fernhandelsmessen erlaubte. Auf diesen Flächen finden übrigens heute die beiden Märkte am Mittwoch und am Freitag statt. Äußere Umstände, allen voran die Sperrung der Scheldemündung durch die Niederländer im Zuge ihres Freiheitskampfes (Achtzigjähriger Krieg von 1568 bis 1648), führten zum Niedergang des Münstereifeler Marktes. Antwerpen, woher man außer Fisch auch Butter und vor allem Seesalz bezog, war damit vom Nordseehandel abgeschnitten und dies wirkte sich im Verbund mit weiteren Kriegen im Rheinland und der allgemeinen Verlagerung des Handels auf die Seewege, verheerend auf den Münstereifeler Markt aus. Sein Fernhandel brach zusammen; nur der Wochenmarkt blieb für den regionalen und lokalen Handel.

Der Rat der Stadt reagierte, indem er die Stadt zu einem Zentrum der Gegenreformation umbaute, was sich heute noch im Grundriss der Stadt ablesen lässt.
Mit der Eröffnung des City Oulets knüpft Bad Münstereifel in gewisser Weise an seine große Vergangenheit als Handelszentrum an.

Harald Bongart, Archiv der Stadt Bad Münstereifel